„Wie soll ich das nur schaffen?“ Seminarwochenende 6. bis 8. August 2019 in Wartaweil

Herrsching-Wartaweil, der Ort, an dem die Wallfahrer von Andechs kommend  über den Ammersee gefahren wurden. War das Boot voll, rief der Fährmann den Wartenden „Wart a weil!“ zu.  Uns erwartete ein Schullandheim, das allen Ansprüchen unserer Gruppe genügte. Die Zimmer gepflegt, großzügig und behindertengerecht. Die Mitarbeiter freundlich, aufmerksam und hilfsbereit. Eingebettet in der Natur am See. Ein Ort der Erholung und des Nachdenkens über die Frage: „Wie soll ich das nur schaffen?“

Unsere Gruppe bestand aus „alten Hasen“, die seit Anfang an dieser Seminarreihe teilnahmen. Einige waren zum zweiten oder dritten Mal dabei. Ergänzt wurde sie von uns Neulingen. Wir waren eine Gruppe von Betroffenen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Krankheitsverläufen. Ergänzt von Begleitpersonen oder Ehepartnern, aber auch Alleinstehenden. Ein Miteinander, das sich bald als hilfreich  herausstellte.

Albertine Deuter und Judith Verstl verstanden es von Beginn an, eine Basis des Vertrauens zu schaffen. Erste Grundlage war unser Einverständnis, während des Seminars „Du“ zueinander zu sagen. Beide verstanden es, ihre Erfahrungen in einer ansprechenden Weise einzubringen. Sie ermöglichten es uns, uns zu öffnen. So begann die Reise in unser Fühlen und Denken. Sie führte zu unseren Ängsten und Hoffnungen. Albertine und Judith sind ein Team mit Empathie, Erfahrung, Können und außergewöhnlichem  Engagement. Sie verstehen es, auf veränderten  Situationen angemessen einzugehen. und sie nahmen sich Zeit für jeden Einzelnen. Sie führten uns zum besseren Verständnis unserer jeweiligen Situation und der unserer Gesprächspartner.  Eine Reise auf Zeit an diesem Ort der Begegnung.

Wie soll ich das nur schaffen?
„Ich“ als Motoneuronenerkrankter. Ich als Ehepartner. Ich als Begleitperson. Ich als Alleinstehender.

Jeder von uns mit seinen ureigenen  Belastungen und Befürchtungen, Wesenszügen und Begabungen, Erfahrungen und Kenntnissen, Hoffnungen und Möglichkeiten.

Wie vom „Wie soll ich das nur schaffen?“ zum „So kann ICH das schaffen! „So können WIR das schaffen!“ gelangen?

Die gemeinsame Reise durch das Thema begann mit dem persönlichen Kennenlernen.
Sie setzte sich fort mit dem Bewusstwerden der Hindernisse und Belastungen.
Sie erreichte mit dem Bild der Babuschka einen ersten emotionalen Höhepunkt.

Babuschka, das sind zehn kleine ineinander geschachtelte Puppen. Sie wurden im Laufe dieses berührenden und nachdenklichen Teils zum Symbol unseres ganz persönlichen Weges.

Judith gelang es, unsere Erinnerungen zu wecken. Schöne und  schmerzliche Erinnerungen. Freude und Tränen waren die Zeichen der Betroffenheit. Geborgen in der Gruppe und einfühlsam geführt vom Team der beiden Frauen war dies ohne Schaden möglich.



Unser gemeinsamer Weg führte uns schrittweise heraus aus unseren Befürchtungen hin zu unseren Möglichkeiten. Auch hier half ein Bild. Es war das Bild eines starken Elefanten. Er war mit einer starken Kette an einem kleinen Holzpfahl angekettet. Er konnte sich nicht davon lösen. Denn von klein auf war er es gewöhnt,  daran festgebunden zu sein.  Er war nicht mehr fähig, sich von dieser Kette der Gewohnheit/en zu lösen. Albertine und Judith, und auch die Gruppe, ebneten uns Wege zu einer neuen Zuversicht: „So können wir es schaffen“, unsere Zukunft zu gestalten, trotz Krankheit/en! Mit neuer Kraft und neuen Denkanstössen wollen wir neue ermutigende Schritte gehen. 

Rudolf Lauerbach-Lehmeier