Young Carers: Unsichtbare Helden im Familienalltag

Ein Fachtag in Würzburg, organisiert von verschiedenen Kooperationspartnern (HALMA e.V., WIRKOMMUNAL, Generationenzentrum Matthias Ehrenfried e.V.), stellte Young Carers und deren besondere Lebenssituation in den Mittelpunkt.

Ziel war es, professionell Beratende aus Schule, Jugendhilfe, Pflege und Beratung für die Thematik zu sensibilisieren und bereits vorhandene Unterstützungsangebote aufzuzeigen ….

Auch eine Online-Veranstaltung des Medizinischen Dienstes Bayern in Kooperation mit SeKo (Selbsthilfekoordination Bayern) hat sich dem Thema angenommen.

Angelika Eiler, Psychosoziale Beratung der DGM in Würzburg war dabei.

Sie nutzte die Gelegenheit zur Vernetzung mit den lokalen Akteuren, denn auch in der Beratung von Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen kommen Young Carers mit ihren eigenen Bedürfnissen oft zu kurz. Der Blick der Beratenden richtet sich primär auf die jeweilige Person, die von einer chronischen Erkrankung/Behinderung betroffen ist und die vielen Fragen, die mit ihrem Hilfebedarf einher gehen.

Was sind Young Carers?
Young Carers sind Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene, die regelmäßig nahe Angehörige unterstützen. Dazu gehören Eltern, Geschwister oder Großeltern mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder Demenz. Sie helfen im Alltag, übernehmen organisatorische oder hauswirtschaftliche Aufgaben, unterstützen bei der Pflege und sind oft auch eine wichtige emotionale Stütze. Was häufig als vorübergehende Hilfe beginnt, wird schnell zu einem festen Bestandteil ihres Alltags.

Wer sind Young Carers?
In Deutschland sind rund eine halbe Million junge Menschen betroffen, das bedeutet, 1-2 Schüler in jeder Schulklasse! Viele bleiben jedoch unsichtbar, weil sie ihre Rolle als selbstverständlich empfinden und selten darüber sprechen. Dadurch erhalten sie oft nicht die Unterstützung, die sie dringend bräuchten.

Haben Young Carers Vorteile und Nachteile?


Young Carers können trotz der Verantwortung auch positive Erfahrungen machen. Sie lernen früh, Verantwortung zu übernehmen und ihren Alltag zu organisieren, was ihre Selbstständigkeit stärkt. Gleichzeitig entwickeln sie soziale Kompetenzen wie Empathie, Hilfsbereitschaft und Problemlösungsfähigkeiten. Durch die Unterstützung ihrer Angehörigen festigen sie die Familienbindung und werden zu einer wichtigen emotionalen Stütze.

Gleichzeitig bringt die Rolle erhebliche Belastungen mit sich. Viele übernehmen Aufgaben, die weit über ihr Alter hinausgehen, was zu Überforderung führen kann.
Freizeit, Hobbys, Schule und soziale Kontakte kommen häufig zu kurz, und langfristiger Stress kann sowohl psychische als auch körperliche Probleme verursachen. Zudem bleibt die besondere Rolle vieler Young Carers oft unsichtbar, sodass notwendige Unterstützung fehlt.

Wer kann Young Carers helfen?
Young Carers können auf vielfältige Weise unterstützt werden. Die Familie kann Aufgaben übernehmen, Freiräume schaffen und emotionale Rückendeckung geben. Schule und Ausbildung spielen eine zentrale Rolle, indem Lehrkräfte und Ausbilder:innen Verständnis zeigen, flexible Lösungen anbieten und als Ansprechpartner:innen zur Verfügung stehen.

Professionelle Hilfe durch Pflegedienste oder Sozialdienste entlastet den Alltag, zum Beispiel durch ambulante Pflege, Haushaltshilfen oder Betreuungsangebote.

Beratungsstellen und spezialisierte Organisationen bieten zudem Informationen, Beratung und Vermittlung passender Hilfen.
Der Austausch mit Gleichaltrigen, also anderen Young Carers, kann Entlastung schaffen und das Gefühl von Gemeinschaft geben. Außerdem kann therapeutische Unterstützung helfen, mit Stress und den emotionalen Herausforderungen besser umzugehen.

Fazit:
Young Carers übernehmen früh Verantwortung und leisten einen wichtigen Beitrag für ihre Familien. Gleichzeitig stehen sie unter hoher Belastung, die sich auf Entwicklung, Schule, Ausbildung und Gesundheit auswirken kann.

Anerkennung, praktische Unterstützung, emotionale Begleitung und Freiräume sind entscheidend, damit sie trotz ihrer Verantwortung Kind oder Jugendliche bleiben können.

Young Carers, ihre Angehörigen und auch Fachkräfte, die mit Young Carers im Kontakt stehen, können sich informieren bei: